Die Fach-Fleischerei und die Visualisierung von Verzehr-Situationen

Juli 20th, 2018

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

heute beginne ich mit einer Frage: Was haben Einrichtungs-Apps von Möbelhäusern und die plakative Visualisierung von Verzehr-Situationen aktueller Fleischerei-Angebote gemeinsam?  – Meine Antwort:  Beide unterstützen verkaufswirksam das Vorstellungsvermögen des Interessenten.

Hat sich der Möbel-Interessent eine entsprechende Einrichtungs-App eines Internet-Händlers auf sein Smartphone oder Tablet geladen, wird ihm ermöglicht, auf seinem Display das von ihm favorisierte Möbelstück weitestgehend maßstabsgetreu in die häusliche Umgebung zu integrieren. So wird das Vorstellungsvermögen des Interessenten unterstützt. Denn diese Augmented Reality versetzt ihn in die Lage, beurteilen zu können, ob das neue Möbel nach Stil, Farbe und Größe zu den bisherigen Einrichtungsgegenständen passt oder gegebenenfalls um die entscheidenden Zentimeter zu lang oder zu breit ist. So werden Kaufimpulse gesetzt bzw. Fehlkäufe vermieden.

Als traditionelle Fach-Fleischerei offerieren Sie aber keine Einrichtungsgegenstände, sondern Sie versprechen dem qualitäts- und preisbewussten Kunden von heute, ihm mit Ihrem Produkt- und Dienstleistungsangebot kulinarischen Genuss zu bereiten. So weit, so gut. Nur: Dieses Versprechen macht auch Ihre regionale „Konkurrenz auf Augenhöhe“.

Natürlich, so werden Sie jetzt sagen, unterscheiden Sie sich mit Ihrem Angebot u. a. durch Sortiments-Umfang, Qualität, individuelle Würzung, Waren-Präsentation und individuellen Service. Kauf entscheidende Emotionen stiftend ist bei gegebenem Preis-/Leistungsverhältnis Ihres Angebots jedoch, welchen persönlichen Nutzen sich der Interessent aus der Annahme Ihres Angebots erhofft. Einer dieser Nutzen ist der Haupt- oder Kernnutzen, der über die Bevorzugung Ihres Angebotes gegenüber dem Konkurrenz-Angebot entscheidet. Und dieser Haupt- oder Kernnutzen liegt vielfach im Bereich der Verwendung oder des Verzehrs Ihrer Produkte. So könnten Sie über laufende Website-Aktualisierung, Flachbild-Monitor oder Plakate im Ladengeschäft Verwendungs- oder Verzehr-Situationen saison- und/oder ereignisgerecht visualisieren.  UND treffen Sie hierbei die geheimen Wünsche und Erwartungen Ihrer Kunden, nämlich den Endnutzen, den sich der Verbraucher aus der Verwendung Ihres Angebots erhofft, sind Sie dem rein produkt-orientierten regionalen „Wettbewerb auf Augenhöhe“ einen entscheidenden Schritt voraus.

Regional-typische Produkte

Der Kauf regional-typischer Angebote ermöglicht dem Käufer, sich als Lokal-Patriot zu outen. Ein im Ladengeschäft deutlich gemachter Hinweis auf starke Produktnamen und/oder auf Ihre regionale Wertschöpfungskette („Unser Qualitätsfleisch aus der Region lieferte diese Woche Bauer Mustermann.“) fördert entsprechendes Verhalten.

Anlass-gerechte Angebote

Ein Anlass gibt stets einen besonderen Anreiz zum Setzen einer Handlung. Je deutlicher Sie mit Ihrer Fach-Fleischerei als Kompetenz für das Ausrichten einer Familien- oder Betriebsfeier wahrgenommen werden, indem Sie Ihr Angebot durch die Darstellung „Fröhliche Menschen beim Feiern“ in der Wirkung verstärken, umso deutlicher setzen Sie sich vom rein produkt-orientierten Wettbewerb ab.

Geselligkeit als Endnutzen

Die geheimen Wünsche und Erwartungen des Kunden liegen ohnehin vielfach tiefer. So könnte so manch einer Ihrer Kunden Ihre Qualitäts-Produkte dazu nutzen, sich im Kreise seiner Freunde als hervorragender Gastgeber zu outen. Liebt es jemand gelegentlich besonders gesellig, ist also der Wunsch nach Geselligkeit der Hauptgrund, mal wieder Freunde einzuladen, könnten Sie Ihre „widerspruchsfreie Zuständigkeit“ vermitteln, indem Sie eine Garten-Party visualisieren.

Fazit: über Ihre Darstellung von Verzehr- oder Verwendungs-Situationen könnten Sie die so wichtigen Kauf entscheidenden Emotionen beim Kunden generieren und ihn gar zu Spontan-Käufen veranlassen.

Es grüßt Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
Zurück zur Startseite

Auch jener Beitrag könnte Sie interessieren:

Die Wertschöpfungs-Kette Ihrer Fleischerei auf dem Flachbild-Monitor im Ladengeschäft – Folge zwei: Verzehr-Situationen und Zusatznutzen

Geschäftsmodelle im Wandel der Zeiten

Juli 13th, 2018

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

Sie leiten mit Kompetenz und Überzeugung eine Fachfleischerei, die sich im Laufe vieler Jahre oder gar Jahrzehnte einen soliden Stammplatz in der Lebensmittelbranche ihres Ortes oder Stadtteils erarbeitet hat. Sie waren und sind innovativ; denn erfolgreiche Betriebe verändern sich. Anpassungen in der Struktur und im Angebot Ihres Ladengeschäfts an den laufenden Wünschewandel Ihrer Stammkunden und Intensiv-Verwender verdeutlichen Ihr aktuelles Leistungsversprechen: Sie möchten als vertrauenswürdiges Fleischer-Fachgeschäft  wahrgenommen werden. Und Ihr Ladengeschäft macht hierzu bereits auf den ersten Blick eine ganz konkrete Aussage.

So grenzen Sie sich zwar gegenüber anderen Geschäftsmodellen wie Supermärkten oder Discountern ab; – aber trotzdem könnte es gelegentlich Angebots-Überschneidungen mit dem lokalen Wettbewerb geben, die umsatzrelevant sein könnten. Und zwar dann, wenn es Ihnen nicht gelingt, Ihre Einzigartigkeit in Qualität, Regionalität, individueller Würzung und Beratung  zu vermitteln. Denn aktuell sorgt ein Geschäftsmodell für Aufmerksamkeit, das vielfach unter dem Topic „Mini-Supermärkte“ kommuniziert wird. Eine bedeutende Lebensmittelgruppe hat laut Medienberichten vor geraumer Zeit damit begonnen, in ausgewählten Regionen Deutschlands den mobilen Verbraucher an Tankstellen  mit verzehrfertigen frischen Lebensmitteln zu erfreuen. Für die betreffenden Tankstellenbetreiber bedeutet das eine Erweiterung ihres bisherigen Geschäftsmodells.

Natürlich, so werden Sie sicherlich sagen, lassen sich die dortigen Convenience-Produkte nicht so ohne weiteres mit Ihren Produkten vergleichen; und doch könnte das dortige Angebot einen wenn auch nur peripheren Einfluss auf Ihren Umsatz haben; denn der Besuch des Kunden an der dortigen Kasse könnte einen  Mitnahme-Effekt hinsichtlich der angebotenen Convenience-Artikel auslösen.

Das heißt: Der Hauptgrund des Autofahrers, die Tankstelle anzusteuern, ist der KERN-Wunsch oder gar die Notwendigkeit, Benzin zu fassen. Der Tankstellen-Pächter nutzt hierbei die Gelegenheit, seinen Umsatz durch Angebote im Lebensmittelsektor zu erhöhen.

Somit harrt die Frage der Antwort: Welchen KERN-Nutzen könnten Sie dem Endverbraucher stiften, um Ihr Ladengeschäft als Anlaufstelle gegenüber dem regionalen Wettbewerb zu bevorzugen? Welche Produkt-Kategorie, welche Dienstleistung ist Ihr Alleinstellungsmerkmal, das Ihnen zudem ermöglicht, den Kunden zu veranlassen, in Ihrem Fachgeschäft mehr einzukaufen als er ursprünglich beabsichtigte? Welche Ihrer Produkt-Präsentationen verursachen Begeisterung, welche Ihrer Produkte könnten als stimmige Begleit-Produkte oder gar Komplementär-Produkte Mitnahme-Effekte auslösen?

Es grüßt Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
Zurück zur Startseite