Der unterschätzte Aspekt der „Versuch- und Irrtum“-Methode

Januar 23rd, 2017

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

als kreativer Fleischer/Metzgermeister haben auch Sie persönlich vielfach die besten Einfälle während der handwerklichen Produktion. Und Ihre Ideen kreisen hierbei nicht nur um vollständig neue Kreationen sondern konzentrieren sich vielfach auf die näher liegenden Möglichkeiten der Produkt-Dehnung oder –Streckung eines Ihrer (Wurst)-Bestläufer (Vgl. hierzu: Das Sechser-Sortiment) LINK. Werden Sie hier fündig, gilt es für Sie, die Besonderheiten der neuen Streckung risiko- und kostenbewusst auf Martktauglichkeit zu prüfen. Hierzu präsentieren Sie die neue Wurst-Kreation -nach Form, Kaliber, Farbe und Namensgebung deutlich wahrnehmbar- neben dem zugehörenden Grundprodukt und seinen bisherigen Varietäten in Ihrer Theke. Und gelegentlich werden Sie auch zufrieden feststellen, welch gute Abverkaufswirkung  Sie mit der neuen Kreation erzielen. In vielen Fällen jedoch treffen Sie nicht sogleich ins Schwarze. Statt dessen ist vielfach eine ganze Reihe von kleinen (d. h. kostenmäßig überschaubaren oder verantwortbaren) (Fehl)-Versuchen nötig, um letztlich doch Erfolg zu haben. Das Problem dabei jedoch ist: Der mögliche (langfristige) Erfolg ist anfänglich nicht einfach zu erkennen. Während sich Fehlversuche schnell und deutlich abzeichnen und entsprechend kurzfristig gestoppt werden können, zeigt sich die Qualität eines letztlich erfolgreichen Versuchs vielfach erst mittel- oder gar langfristig.

Rechnen Sie nach Auswertung Ihrer monatlich aufgestellten BWA schon nach dem ersten Monat nach Theken-Präsenz der Erfolg versprechenden Varietät deren Ergebnis hoch, könnten Sie die mittel- oder gar langfristig erzielbaren Ergebnisse mächtig unterschätzen. Den kurzfristig ermittelbaren (niedrigen) Kosten der Fehl-Versuche steht hier die (anfänglich große) Ungewissheit künftigen Erfolges gegenüber. Jedoch: Schon ein EINZIGER „Treffer ins Schwarze“ könnte eine ganze Reihe von Fehl-Versuchen rechtfertigen. Ihre Geduld ist also auch hier Grundvoraussetzung für den Erfolg.

FAZIT: Der Faktor ZEIT erweist sich hier wieder einmal als einer der großen Stressoren und ist der vielfach unterschätzte Aspekt der Versuch- und Irrtum-Methode.

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Autor des aktuellen Strategie-Buchs „Die Metzger-Bibel

Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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Der Nährboden für Veränderungen und seine Impulse

Januar 15th, 2017

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

vielleicht war für Sie das zurückliegende Jahr allen negativen Fleischkonsum-Prognosen zum Trotz ein durchaus zufriedenstellendes Jahr. Und vielleicht waren Sie auch u. a. deshalb so erfolgreich, weil Sie es wiederum verstanden haben, im Produkt-Sektor die Innovationsquote hoch zu halten und auch die eine oder andere Wurst-Varietät rechtzeitig zu kannibalisieren und durch eine andere zu ersetzen. Um letztlich den gewünschten Erfolg zu generieren, setzen solche Aktivitäten natürlich ein gutes Gespür für die Wünsche und Erwartungen Ihrer Kern-Zielgruppen voraus. Das Besondere an diesen Aktivitäten ist: Sie persönlich waren initiativ und haben die Veränderungen ausgesprochen behutsam und ganz bewusst zu einem Zeitpunkt durchgeführt, den Sie für sinnvoll erachtet haben. Und über das, was Sie selber anstoßen, haben Sie in aller Regel die Kontrolle. So haben Sie neue Kundenwünsche geweckt – und natürlich auch entsprechend mit Ihrem (neuen) Angebot und Ihrer Dienstleistung bedient.

Nun gibt es aber auch Ihren Betrieb berührende Veranderungen, die Sie nicht vollumfänglich vornehmen oder beeinflussen können. Es sind Veränderungen, auf die Sie allenfalls reagieren könnten und gegebenenfalls auch sollten. Denn der laufende Kundenwunsch-Wandel hat einen großen Nährboden.

Hierzu gehören:

Demographie und eCommerce, Verdrängungswettbewerb durch Supermärkte und Discounter. Aber auch Gesetzes-Änderungen und Auflagen, schwankende Einkaufspreise, das Klima und nicht zuletzt das Wetter bescheren Ihnen kritische Situationen, die es zu meistern gilt.

Je drängender oder bedrohlicher eine solche Entwicklung oder Situation ist, um so nachdenklicher könnten Sie werden. Denn eine extreme Situation zeigt in aller Regel (mindestens) eine Schwachstelle in Ihrem Betrieb auf, die aufgrund der Komplexität Ihres Betriebes einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf Ihren Betriebsablauf haben könnte.

Beispielhaft hierzu: So werden die chaotischen Januar-Wetterverhältnisse sicherlich auch Sie (und zwar selbst dann, wenn Sie nicht unmittelbar betroffen waren) veranlasst haben, darüber nachzudenken, wie Sie eine wetterbedingt niedrige Kunden-Frequenz im Ladengeschäft (und den entsprechenden Minder-Umsatz) z. B. durch einen Lieferservice abfedern könnten. Zwar haben im Januar 2017 vielfach Schnee- und Glatteisverhältnisse in so manch einer Gegend Deutschlands eine Zustellung generell verunmöglicht. – Es gibt aber auch weniger kritische aber durchaus unangenehme Wettersituationen, die zwar so manch einen Ihrer Kunden vom persönlichen Besuch Ihres Ladengeschäfts abhalten, ihn aber nicht hindern, online zu bestellen und sich beliefern zu lassen. Das Transportrisiko könnten Sie hierbei auf einen geeigneten Dienstleister überwälzen.

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Autor des aktuellen Strategie-Buchs „Die Metzger-Bibel

Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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Die richtigen Schlussfolgerungen

Januar 8th, 2017

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

natürlich lief auch Ihr Fachbetrieb in den letzten Wochen unter Volllast. Und natürlich hatten Sie und Ihr Team alle Hände voll zu tun, um den Kundenwünschen nach Qualität und Regionalität zu entsprechen. Jetzt jedoch, bei rückläufiger Kundenfrequenz, haben Sie die Zeit und Möglichkeit, nicht nur unter Vollast sichtbar gewordene betriebliche Schwachstellen zu beseitigen, sondern auch von Ihren Kunden das so wichtige Feed Back zu Ihrem Angebot und Service zu erhalten. Und hier schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Durch ein intensives Kundengespräch fühlt sich der Kunde von Ihnen respektiert. Das ist das eine. Zum anderen: Aus der Summe der vor Ihnen ausgebreiteten Kundenwünsche könnten Sie durch Vergleich der einzelnen Wünschespektren besonders wichtige Wünsche herausfiltern. Einer dieser Wünsche ist der derzeitige Hauptwunsch des Kunden, es ist der aktuell dominierende KERNwunsch, an dem Sie Ihre Strategie festmachen sollten. Denn: treffen Sie mit Ihrem Angebot und Ihrer Dienstleistung den alles überlagernden KERNwunsch des Kunden, könnten Ihnen die Kunden einen Nachfragesog bescheren.

Bei der Ausrichtung Ihres künftigen Angebots sollten Sie sich auch (weiterhin) an Ernährungs-Gewohnheiten und –Trends orientieren. Vor dem Hintergrund zunehmend mobiler Arbeitszeiten sind auch die Essenzeiten mobil. So ist es nicht nur in Mehrpersonenhaushalten mit zwei Verdienern schwierig, die Familie regelmäßig zu konstanten Essenzeiten an den Tisch zu bringen. Die Folge: Es wird weniger gekocht. Zwar gibt es auch in Deutschland einen beachtlichen Trend zu veganer Ernährung, – Medienberichten zufolge bleibt derzeit jedoch Fleisch ganz oben auf dem Ernährungswunschzettel des Einzelnen. Die Zubereitung jedoch soll möglichst „schnell und einfach“ gehen. So erfreuen sich Fertiggerichte weiterhin großer Beliebtheit.

Bei der Umsetzung eventueller, trendgerechter Anpassung Ihres Betriebes und seines Sortiments sollten Sie behutsam in kleinen, risikoarmen Schritten vorgehen. Denn der Mensch liebt keine (sprunghaften) Veränderungen. So sollte auch die Selbstähnlichkeit Ihres Betriebes gewahrt bleiben. Ihr unmittelbarer Kontakt via Bedientheke zum Kunden wird Ihnen ermöglichen, laufend das so wichtige Feed Back zu erhalten, um Ihre Produkte als Wunscherfüller quasi „nur noch nachzureichen“.

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Autor des aktuellen Strategie-Buchs „Die Metzger-Bibel

Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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